2.000 arme Kinder in Augsburg - 26. September 2006Mit unglaublichen Beispielen konfrontierte Maria Schwarz, Chefin der Arbeitsgemeinschaft katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen und Jugendsozialarbeit in der Diözese Augsburg (agke), Teilnehmer und Gäste zur sozialpolitischen Podiumsdiskussion im Augustanasaal. Fazit: geschätzte 2.000 arme Kinder leben in Augsburg. Anna kann nicht mit ins Schullandheim fahren. Daniel bittet die Erzieherin in der Tagesstätte verstohlen, ihm die Essensreste einzupacken, damit die Familie zuhause etwas zu essen hat. Sabine ist mit ihren Pubertätsproblemen allein, weil die Mutter gar keine Zeit für sie hat. Mit diesen Beispielen führte Maria Schwarz die Gäste ins Thema am Weltkindertag ein. Schwarz diskutierte mit Vertretern von Stadt, Verbänden und Kirche über das Thema „Kinderarmut in Augsburg - Chancengleichheit für alle?”.
Vertrat die Katholische Jugendfürsorge bei der Podiumsdiskussion zum Thema Kinderarmut in Augsburg: Prälat Günter Grimme. © KJF/Riske Geschätzte 2000 arme Kinder leben in Augsburg. Sozialreferent Dr. Konrad Hummel nannte verschiedene Kriterien zur Definition von Kinderarmut: neben Arbeitslosigkeit, die allein noch nicht zur Armut führe und dem Empfang von klassischer Sozialhilfe gäbe es auch eine große Dunkelziffer von Kindern, die offiziell nicht auffielen, aber in „sozial-kultureller Armut” lebten. Zudem nähmen die „Lebensweltunterschiede” zwischen den Kindern immer stärker zu. Wichtig sei bei allen Hilfsmaßnahmen, „das Kind wertzuschätzen und in seiner Aktivität mitzunehmen”. So könne es beispielsweise sinnvoller sein, mit dem Kind selbst zu kochen statt etwa Essen per Catering in eine Einrichtung kommen zu lassen. Ludwig Ecker vom Kinderschutzbund nannte als gute Beispiele für die praktische Arbeit vor Ort Familien- oder Sozialpaten. Augsburgs Stadtdekanin Susanne Kasch bezeichnete Kinderarmut gar als „eine der größten Sünden, die wir uns als Gesellschaft leisten”. Prälat Günter Grimme, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge, mahnte selbstkritisch an, die Zusammenarbeit etwa zwischen verschiedenen Verbänden zu intensivieren. Als konkrete Maßnahme gegen die „größten Nöte” von Familien nannte er einen kleinen Fonds von 6.000 Euro, den die „KJF” eingerichtet hat, damit etwa das Mittagessen in der Tagesstätte für ein Kind gezahlt werden kann. Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „MamaBabyHilfe”, welches die „KJF” im Auftrag von Stadt und Landkreis Augsburg betreibt: zwei Sozialpädagoginnen stehen werdenden oder jungen Müttern mit „materiellen oder psychischen Problemen” als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung und „ebnen Wege”: zum Beispiel zur Familiengruppe, zur Schuldnerberatung, zur Drogenberatungsstelle. Als wichtiges Ziel nannte Grimme, Eltern die „Kompetenz” zur Erziehung ihrer Kinder zu vermitteln und sie „von dieser Verantwortung nicht zu entlasten”. Auch Pfarrer Reinhard Wemhöner vom Diakonischen Werk mahnte an, die Balance zwischen „fordern und fördern” bei Hilfsmaßnahmen im Auge zu behalten. |