Macht kiffen süchtig? - 16. Juni 2006„Wenn ich gekifft habe, war ich immer in einer eigenen Welt, in meiner Welt.” Die Erfahrung eines Drogenpatienten teilen viele Konsumenten von Cannabisprodukten. „Cannabis: Droge oder Genussmittel der Jugendkultur?” lautete der Titel des Vortrags von Dr. Jörg Lüthy, dem Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Josefinum. „Wer einmal einen Joint auf Klassenfahrt in Amsterdam raucht, ist nicht abhängig”, erklärte Dr. Lüthy. Er warnte aber davor, die Gefahr einer möglichen Abhängigkeit zu verharmlosen. Vom volkswirtschaftlichen Schaden her gesehen sind legale Drogen wie Rauchen, Alkohol und Medikamente eine weitaus größere Gefahr für die Gesundheit. Der Cannabis-Konsum ist jedoch in den letzten Jahren gestiegen und die Einstellung der jugendlichen Konsumenten zur Droge hat sich geändert. So halten viele Rauchen und Alkohol für suchtgefährdender als Cannabis. Verantwortlich für den Rauschzustand, den Cannabis auslösen kann, ist der Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol). Cannabis kann als Zigarette (Joint), mit der Wasserpfeife (Bong) oder auch als Tee oder Plätzchen konsumiert werden. Der Wirkstoff wird auch in geringer Dosis in der Medizin eingesetzt, etwa bei der Behandlung von Übelkeit nach Chemotherapie, bei Abmagerung durch HIV oder Aids oder bei Multipler Sklerose. Hierzulande ist aber der medizinische Wirkstoff noch immer verboten.
Symptome von Cannabiskonsum sind rote Augen mit weiten Pupillen, Sinnestäuschungen, Heißhunger und Durst oder Antriebsverlust. Bei einer Abhängigkeit kann das so genannte amotivationale Syndrom auftreten, das sich unter anderem durch Gleichgültigkeit, Passivität und Antriebsarmut äußert. Eine psychische Abhängigkeit liegt etwa dann vor, wenn bei den Konsumenten ein starker Wunsch oder Zwang, die Droge zu konsumieren vorliegt, sie unter verminderter Kontrollfähigkeit leiden und die Dosis stetig steigern müssen, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Eine Abhängigkeit gehe oft mit einer Störung des Sozialverhaltens, also etwa Dealen, Diebstahl oder Schwarzfahren einher. Dr. Jörg Lüthy ist Oberarzt auf der Entgiftungs- und Motivationsstation am Josefinum der Katholischen Jugendfürsorge, die im Herbst 2001 ihren Betrieb aufnahm. Seither wurden jährlich durchschnittlich 50 Patienten behandelt. Diese Station für Jugendliche ist die einzige in ganz Bayern. Auf dieser Station arbeitet ein Team aus Suchttherapeuten, Stationsärzten, Krankenpflegern, Heilerziehungspflegern und Therapeuten aus der Kunst-, Musik- oder auch Erlebnistherapie. Ziel ist nach der körperlichen Entgiftung die Abstinenz der Patienten und die Vermittlung in Langzeitentwöhnungsmaßnahmen. Das gelingt nach Einschätzung von Dr. Lüthy bei etwa 60 Prozent der Patienten. |