„Patchworkfamily” ist out - 15. September 2005

Bisher schien der Trend unaufhaltsam: Immer mehr Kinder lebten nicht mehr mit beiden Elternteilen zusammen, sondern bei nur einem allein erziehenden Elternteil bzw. mit einem neuen Partner - so genannte Patchworkfamilien. Glaubt man den Experten des KJF, zeichnet sich jedoch in den vergangenen Jahren die Wende ab.

„Der Trend der letzten Jahre hält nicht mehr an”, stellt Dr. Peter Spengler nach Durchsicht seines Jahresberichts für das Jahr 2004 fest. Der Diplom-Pädagoge leitet die Psychologische Stelle für die Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung bei der Katholische Jugendfürsorge (KJF, Schaezlerstraße). Immer wieder stellen Spengler und Mitarbeiter Vorgänge fest, die spätere Entwicklungen in der Gesellschaft aufzeigen. „Erziehungsberatungsstellen gelten als Seismographen, die sehr früh kommende Entwicklungen in deutschen Familien aufzeigen. Daher ist es wohl nicht unwahrscheinlich, dass das Ende dieses Trends nicht nur bei unseren Klienten, sondern demnächst in der gesamten Gesellschaft deutlich wird”.


Ans Team der Beratungsstelle der KJF können sich Rat Suchende unabhängig von Religion oder Konfessionszugehörigkeit wenden. © KJF/Karg

Ans Team der Beratungsstelle der KJF können sich Rat Suchende unabhängig von Religion oder Konfessionszugehörigkeit wenden. © KJF/Karg


Im Jahr 2003 suchten 744 Klienten Hilfe bei der Beratungsstelle, 2004 waren es 738. Eine deutliche Verschiebung zeigt sich jedoch bei deren Herkunft: Lebten im Jahr 2003 nach ständiger jährlicher Steigerung fast 45 Prozent der Rat Suchenden beim allein erziehenden Elternteil, ging dieser Wert nun auf knapp 40 Prozent zurück. Dagegen nahm wiederum die Anzahl derjenigen, die bei beiden leiblichen Eltern, Adoptiv- oder Pflegeeltern und damit in mehr traditionellen Familienformen leben, von 41,5 Prozent im Jahr 2003 auf 45,4 Prozent zu.


Mit Erklärungen für diese Zahlen ist Spengler allerdings vorsichtig, von einer Trendumkehr möchte er nicht sprechen und abwarten, was die Entwicklungen der nächsten Jahre zeigen. Ein möglicher Grund für eine Rückkehr der traditionellen Familienform, die in der Literatur diskutiert wird, ist die wirtschaftlich schwierige Lage vieler Familien. „Manche der Familien können sich Trennung und Scheidung finanziell nicht mehr leisten, während in Zeiten der wirtschaftlichen Blüte doch der Wunsch nach Selbstverwirklichung oder der Verwirklichung individueller Vorstellungen sich eher verwirklichen ließ”, so Spengler. Und zusätzlich zur Einzelberatung bietet die Psychologische Beratungsstelle wieder eine Reihe von Gruppen an. „Unsere Gruppen sind für die Rat suchenden eine ganz gute Ergänzung der Einzelberatung: viele nehmen Beratung oder Gruppe in Anspruch, manche aber auch beides”, meint Brigitt Gaertner, Diplom-Sozialpädagogin in der Beratungsstelle.


Die Gruppen im Einzelnen:


  • Für Eltern gibt's ab Ende des Jahres das Seminar „Mutige und ermutigende Erziehung” in Dinkelscherben. An zehn Abenden sollen die Eltern dort Methoden zur ermutigenden Erziehung lernen und alltagsnah erproben. Das Seminar ist auf 12 Teilnehmer begrenzt und richtet sich an Eltern von Kindern aller Altersstufen.
  • Die „Trennungs- und Scheidungsgruppe für Eltern”, die an insgesamt sechs Terminen stattfindet, richtet sich an jeweils ein getrennt lebendes oder geschiedenes Elternteil. Der andere Elternteil wird zu einem eigenen Termin eingeladen. Die Gruppe trifft sich alle 14 Tage. Erster Termin ist Montag, 26. September um 19 Uhr.
  • Für Scheidungskinder gibt es eine „Trennungs- und Scheidungsgruppe”. Die Kinder im Alter zwischen acht und 12 Jahren treffen sich insgesamt zwölf Mal, jeweils mittwochs, von 15 bis 16.30 Uhr. Erster Termin ist der 9. November. Dieses Gruppenangebot ist auch für Königsbrunn in Planung.
  • Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren treffen sich 14-tägig immer freitags von 17 bis 19 Uhr. Die Teenager können sich mit Gleichaltrigen austauschen und dabei rausfinden, wo ihre eigenen Interessen und Fähigkeiten liegen.
  • Die Spiel- und Sportgruppen richten sich an Kinder und ihre Eltern. Parallel zum Spiel und Sport für die Kinder können sich die Eltern in einer Gesprächsrunde über die Herausforderungen des Erziehungsalltags austauschen. Die einzelnen Gruppen sind nach Altersstufen gegliedert. Die Vorschulkinder und ihre Eltern treffen sich regelmäßig donnerstags von 9 bis 10.30 Uhr in der Turnhalle im Kinderzentrum in Oberhausen. Termin für Schulkinder und ihre Eltern ist ebenfalls Donnerstag; für die Klassen 1 bis 3 von 14 bis 15.30 Uhr, für die Klassen 4 bis 6 von 15.45 bis 17.15 Uhr in der Turnhalle der Prälat-Schilcher-Berufsschule im Univiertel. Die Spiel- und Sportgruppen beginnen am Donnerstag, 13. Oktober.

Die gesamte Arbeit der Beratungsstelle steht allen Menschen unabhängig von Religion oder Konfessionszugehörigkeit offen. Die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht, die Klienten genießen vollsten Vertrauensschutz. Nähere Informationen zu allen Kursen und Anmeldung für die Einzelberatung: 0821.31.00.141 bzw. via E-Mail: eb-augsburg@kjf-augsburg.de.