Wenn die Haut juckt - 10. August 2005

Veranlagung, Allergien, Umwelteinflüsse, Stress - die Auslöser von Neurodermitis können vielfältig sein. Bereits jedes zehnte Kind in Deutschland leidet an der Hautkrankheit. Grund genug für die Oberärztin im Josefinum, Dr. Britta Welzenbach, betroffene Eltern in einem Vortrag über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Seit Januar veranstaltet das Josefinum einmal monatlich einen Elterninformationsabend in der Reihe „Gesundheit für Kinder und Jugendliche”. „Wir versuchen, Themen, die Kinder und ihre Eltern betreffen, verständlich rüber zu bringen”, erklärte Dr. Michael Heinrich, Chefarzt am Krankenhaus für Kinder und Jugendliche, schon bei der Einführung.


Erläuterte Eltern Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten bei Neurodermitis-Kindern: Dr. Britta Welzenbach.

Erläuterte Eltern Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten bei Neurodermitis-Kindern: Dr. Britta Welzenbach. © KJF/Karg


Bei der Neurodermitis kommt es zu einer Barrierestörung der Haut, Wasser geht verloren. Sie kann bereits in den ersten drei Lebensmonaten auftreten. „Je älter das Kind beim Ausbruch der Krankheit ist, desto milder ist in der Regel der Verlauf”, so die Referentin Dr. Welzenbach. Bei der Neurodermitis unterscheidet man zwischen akutem Ekzem, das mit Rötung und der Absonderung von Flüssigkeit verbunden ist und dem chronischen Ekzem, bei dem es zu einer Schuppung und Verhornung der Haut kommt. Eine eher ungewöhnliche Behandlungsform empfiehlt sich bei Kindern, in deren Familie es allergische Veranlagungen gibt: Sie sollen im ersten Lebensjahr jeden Tag zwanzig bis dreißig Minuten im Kuhstall verbringen. Dieses Training des Immunsystems soll die Infektabwehr fördern.


Häufig kann Neurodermitis Vorreiter für andere Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma sein. Mögliche Auslöser der Neurodermitis sind etwa Allergien, insbesondere gegen Nahrungsmittel wie Hühnereiweiß oder Kuhmilch. „Wenn die Zufuhr dieser Nahrungsmittel für anderthalb bis zwei Jahre vermieden wird, vergisst der Körper die Allergie”, erläuterte Dr. Welzenbach. Neurodermitis kann durch eine Blutuntersuchung diagnostiziert werden, sinnvoll kann außerdem eine Allergieabklärung sein. Die richtige Therapie ist abhängig vom Stadium des Ekzems, von der Körperstelle, an der es sich befindet, vom Alter des Kindes sowie von der Jahreszeit. Während im Sommer eher Feuchtigkeit zugeführt werden muss, ist im Winter eher ein hoher Fettgehalt von Cremes oder Salben wichtig. „Dabei gilt der Grundsatz feucht auf feucht und trocken auf trocken”, erklärte die Oberärztin. Viele Patienten empfänden es als angenehm, wenn die Cremes im Kühlschrank gelagert würden. Ältere Kinder könnte man gut mit einem Kratzball vom Juckreiz ablenken, bei kleinen Kindern empfehlen sich Kratzschuhe oder Mützen, damit sie sich nicht kratzen können.


Sinnvoll sei auch die Halbseitentherapie: Verwendet man also auf beiden Körperhälften verschiedene Salben, lasse sich nach kurzer Zeit der unterschiedliche Erfolg erkennen. Beim chronischen Ekzem ist die Rückfettung der Haut durch Glycerin oder Ölbäder wichtig. Stichwort „Baden”: Wenn die Kinder vorsichtig abgetrocknet und dann sorgfältig eingecremt würden, könnten sie durchaus zwei bis drei Mal pro Woche gebadet werden.


Bedenken haben viele Eltern bei der Behandlung mit Kortison. Eine mögliche Nebenwirkung ist die Verdünnung der Haut. Allerdings werde es bei Kindern in der geringstmöglichen Konzentration angewendet. „Wichtig dabei ist, dass man gewissenhaft damit umgeht”, so Dr. Welzenbach. Die Salbe sollte nur einmal täglich und wenn möglich nicht im Gesichts- oder Windelbereich aufgetragen werden. Die antientzündliche Therapien können demzufolge mit Pflanzenabkömmlingen wie Kamille oder Echinacea durchgeführt werden. Vorsicht ist bei der umstrittenen UV-Therapie geboten, da sie zu einer vorzeitigen Hautalterung führt und die Krebsentstehung bis heute nicht hinreichend geklärt ist. Andere Eltern probieren es mit Homöopathie oder Eigenblutbehandlung: „Ich habe nichts gegen begleitende Maßnahmen”, erklärte Dr. Welzenbach. Sie warnte jedoch eindrücklich vor der so genannten „Chinese herbal medicine”, die zu Hepatitis führen könne.


Es müsse noch viel Aufklärung geleistet werden, sowohl bei den Patienten und deren Eltern als auch bei so manchen Doktoren. Abschließend wünschte Dr. Britta Welzenbach den betroffenen Eltern, „dass Sie nicht verzweifeln”. Der nächste Vortrag der Reihe zum Thema „Kann er nicht oder mag er nicht? - Schulverweigerung” findet übrigens am Dienstag, 20. September um 20 Uhr statt. Dann wird Oberarzt Dr. Bernd Helleis referieren.