Augsburg, Trümmerfeld und Flammenmeer - 24. Februar 2005

Es war ein kalter und wolkenloser Wintertag, als 200 US-Bomber gegen 14 Uhr die Messerschmittwerke angriffen. Doch das war erst der Anfang. Drei Angriffe aus der Luft erschütterten Augsburg an diesem 25. Februar 1944. Am nächsten Morgen herrschte Chaos: 1.000 Tote und eine Stadt in Trümmern. Morgen wird daran erinnert.

Ganze Familien aus den Siedlungshäuschen neben den Messerschmittwerken fanden schon am Nachmittag den Tod, auch etwa 50 KZ-Häftlinge. Das Werk selbst wurde zu etwa 60 Prozent zerstört. Und so beschreibt Hans Grimminger im empfehlenswerten Standardwerk „Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart” die weiteren Angriffe:


„Acht Stunden später kündigten die Sirene die zweite Angriffswelle an. Diesmal suchten 248 britische Bomber, vom Süden her kommend, die Innenstadt heim, die sich trotz intensiver Verdunkelung in der klaren Nach leicht ausmachen ließ. Kurz nach 22.30 Uhr lösten sie ein vierzigminütiges Inferno aus, als sie ihre speziell für Wohnstädte zusammengestellte Bombenlast abwarfen, zuerst Landminen, dann ,Häuser-Knacker' und Brandbomben, die das Trümmerfeld in ein Flammenmeer verwandelten. Eine Stunde später erreichte die dritte Angriffswelle die Stadt. 290 weitere britische Bomber schütteten eine Dreiviertelstunde lang abermals ihre tödliche Fracht in das bereits herrschende Chaos. Die Briten trafen diesmal hauptsächlich die Jakobervorstadt, Lechhausen und wieder die Innenstadt. Ein Augenzeuge, der die beiden Nachtangriffe miterlebt hat, berichtet: ,Welch ein Bild des Grauens bot sich uns, als wir aus dem Keller in die Häuser und auf die Straßen gingen! In dämonischem Licht erglühte die brennende Stadt, Haus an Haus flammte und brannte wie Fackeln, wieder und verstärkt zog der Elendszug der Flüchtlinge den Fluchtweg entlang, und die Gemüter wurden grimmig gewürgt von der beginnenden Erkenntnis, dass tausendfaches Elend über die Bewohner der Stadt gekommen sei und auf dem Weg so vieler für ihre ganze Lebenszeit eine bittere Wende gegeben, vor allem aber, dass das ganze ehrwürdige Augsburger Gemeinwesen einen tödlichen Stoß erlitten haben müsse'.”


Dass das Gemeinwesen inzwischen wieder funktioniert, wollen SPD, DGB und Grüne morgen am Rathausplatz unter Beweis stellen und damit gleichzeitig einen bürgerlichen Kontrapunkt gegen die „Mahnwache” der NPD setzen. Von 16 bis 18 Uhr gedenken SPD und DGB der Opfer der „Augsburger Bombenacht” vor 61 Jahren auf dem Rathausplatz. Ab 16.30 Uhr stoßen auch die Grünen dazu und, so die Hoffnung der Veranstalter, viele Augsburger. Schließlich feiert die Stadt heuer den Frieden. Da passt die „Mahnwache” der NPD, deren Anhänger zwischen 17 und 19 Uhr am Martin-Luther-Platz aufmarschieren, so gar nicht ins Bild.


Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, Konrad Theis Verlag GmbH Stuttgart, 1984, S. 633